Statement zur Caritas Weimar

Juli 4th, 2021 § 2 comments

Eine kurze Timeline:

Januar 2021: In der "sharing is caring"-Gruppe Weimar fragt eine Koordinatorin von der Caritas nach Laptop-Spenden für "Flüchtlingskinder für das Home Schooling". Sie wird an uns verwiesen und schickt uns eine Anfrage (was soweit auch Sinn macht).

Einzelne Personen in unserem Orga-Chat lehnen Zusammenarbeit mit der Caritas kategorisch ab. Gründe sind der katholische Hintergrund und damit gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, "white charity" und das Geschäft mit dem Leiden anderer, horrende Vorstandsgehälter. Außerdem hat die Caritas wirklich genug Geld und muss nicht auch noch unsere ehrenamtliche Tätigkeit ausbeuten.

Andere Personen sind der Meinung, dass wir als Kompromiss Anfragen der Caritas-Koordinatorin als Privatperson bearbeiten sollen, wenn die Laptops direkt als Privatrechner an die Familien/Kinder gehen und die Caritas nicht involviert ist.

Trotz Widersprüchen gehen über diesen "Kompromiss" Laptops an die Koordinatorin. Zwischendurch versucht die Koordinatorin abermals uns zu überzeugen, wie toll die Caritas ist und das wir mit ihr zusammenarbeiten sollen. Sie meint die Caritas "hängt gar nicht so eng an der katholischen Kirche", erzählt Dinge über "Inklusion" und einen "schwulen Fußballer, der mit der Caritas arbeitet".

März 2021: Die selbe Koordinatorin schickt in der "sharing is caring"-Gruppe eine Person, die eine Beratungsstelle zum Schwangerschaftsabbruch sucht, zu einer "Lebensschutz"-Beratungsstelle, die Beratungen nur vortäuscht.

April 2021: Die Laptops, die an "Flüchtlingskinder" gehen sollten, sind nie dort angekommen. Sie befinden sich im "Cafe International" der Caritas und können dort von Geflüchteten genutzt werden. In einer Einrichtung der Caritas, unter stetiger Supervision.

Mai 2021: Die Koordinatorin fragt an, ob wir noch mehr Laptops für "Flüchtlingskinder" hätten.

Falls ihr nicht vorher schon überzeugt wart, hier noch mal der dezente Hinweiß: Arbeitet nicht mit der Caritas zusammen.

§ 2 Responses to Statement zur Caritas Weimar"

  • ds sagt:

    Dazu ein paar Ergänzungen:
    Die Idee, PCs über die Koordinatorin, die sich dafür einverstanden erklärt hat als Privatperson zu handeln, Geflüchtetenkindern zukommen zu lassen, wurde im Rahmen eines Maschinenraumplenums diskutiert, und da haben sich die Menschen mit der Position, dass der MR das machen kann – weil das keine Zusammenarbeit mit der Caritas sei – wie oben beschrieben trotz Widersprüchen – durchgesetzt. Es gab nach meiner Erinnerung (Protokoll der Sitzung finde ich nicht) keine Abstimmung, aber nach der Diskussion auch keine Anfrage dafür ⇒ das Plenum ist nicht dagegen. Dass die Koordinatorin die Tower-PCs (es waren keine Laptops) entgegen der Abmachung im Geflüchteten-Café der Caritas aufstellte, statt sie Geflüchteten direkt als Privatbesitz zukommen zu lassen, war nicht wirklich vorhersehbar – einfach, weil das super unaufrichtig ist! Die Koordinatorin hat damit offen gegen unsere Abmachung verstoßen, obwohl sie wusste wie wichtig es uns war, dass sie die Rechner als Privatperson direkt an geflüchtete Familien vermittelt.

    Und die Koordinatorin kannte die Position des Maschinenraums zur Caritas – im Übrigen des gesamten MR, nicht wie oben beschrieben nur “einzelner Orga-Chat-Mitglieder”(!). Im Plenum zu diesem Thema (27.1.21) haben jene, mit der Position, nicht mit der Caritas zusammenzuarbeiten, alle anderen (zu denen gehöre auch ich) überzeugt, was zu dem erwähnten Beschluss geführt hat: “Der Maschinenraum lehnt eine Zusammenarbeit mit der Caritas kategorisch ab. Gründe sind der katholische Hintergrund und damit gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, "white charity" und das Geschäft mit dem Leiden anderer, sowie horrende Vorstandsgehälter.”
    Die Koordinatorin hat sich von unserer Position natürlich nicht überzeugen lassen und ihrer Arbeitgeberin gekündigt, aber – da ihr die Versorgung von Geflüchteten mit Computern so wichtig sei – zugestimmt, dass sie – mit Rücksicht auf unseren Wunsch nach Distanz zu ihrer Arbeitgeberin – die Computer als Privatperson direkt vermitteln würde … und sobald sie sie hatte, brachte sie die überholten Rechner ins Caritas-Center für Geflüchtete, mit dem spontanen(?) Einfall, dass diese so doch viel mehr Menschen zugute kämen – was erstens fraglich ist, zweitens vorher schon hätte diskutiert werden können, und drittens ganz klar gegen unsere Abmachung verstieß, und gegen das ihr bekannte Anliegen hinter dieser Abmachung.

    Und die Geschichte geht noch weiter. Ab da war der Maschinenraum nicht mehr involviert. Kürzlich hat sie angefragt, ob ich nicht ein paar Geflüchteten beibringen könne, selbst Computer zu reparieren (was schon ganz zu Beginn ihrer Anfragen mal im Gespräch war). Ich fand die Vorstellung, dass ein paar Geflüchtete in Weimar damit doch noch zu einer eigenen Quelle für Rechner würden, nach wie vor gut, ohne die Caritas selbstverständlich, aber leider, da die Koordinatorin “als Privatperson” im MR nur verbrannte Erde hinterlassen hatte und als Kontaktperson unumgänglich war, auch ohne den Maschinenraum. Ich sagte ihr zu, dass ich Geflüchteten privat einen Workshop dazu geben könne. Ich würde das aber gewiss nicht bei der Caritas tun (aus Gründen, wie “der katholische Hintergrund und damit gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, "white charity" und das Geschäft mit dem Leiden anderer, sowie horrende Vorstandsgehälter”). Ich bot ihr deshalb an, den Workshop bei mir zu Hause in der WG zu geben und alle Menschen, die teilnehmen, müssen als Privatpersonen zu mir kommen. Es stand sogar schon ein Termin. Aber am Ende sagte sie ab, u.a. wg der Corona-Regeln unserer WG (Gäste müssen geimpft sein, oder kürzlich nen Test gemacht haben) bei einer “Inzidenz von minus 10” , “die Tests müssen auch finanziert werden”, mit dem Zusatz, dass „die jungen Menschen so anstrengend“ seien 8o

    Vielleicht hat sie das zwar in den Gesprächen mit mir zurückgehalten, aber irgendwie nicht überwunden gekriegt, dass ihre große heilige Caritas von so nem Popel-Anarcho-Ding, wie dem MR infrage gestellt wird. Ich weiß nicht, ob ihr das am Ende tatsächlich zu kompliziert wurde, oder was diese fadenscheinige Begründung ihrer Absage sollte. Eigentlich ist mir das egal. Was ich weiß ist, dass es ihr offensichtlich nicht wie dargestellt primär darum ging, geflüchtete Schüler:innen in Weimar mit guten Computern zu versorgen, denn dazu beizutragen hätte sie wiederholt gekonnt. Sogar nachhaltig, wenn sie den Wunsch des Maschinenraum, nicht mit der Caritas in Verbindung gebracht zu werden, von Beginn an respektiert hätte. Das ist schade! In erster Linie natürlich für jene Geflüchteten, für die die Rechner etwas mehr digitale Souveränität hätten bedeuten können. Auch für den Maschinenraum ist es schade, da er sich im Wunsch digitale Souveränität zu fördern und dabei seine politische Integrität zu bewahren, in interne Konflikte verwickelt hat. Nicht zuletzt bei der Frage, ob die Caritas, für das Verhalten, ihrer “als Privatperson” agierenden Mitarbeiterin, abzustrafen sei, und wie.

    Mich hat die Koordinatorin auf menschlicher Ebene bitter enttäuscht, mit einer Konsequenz, die in Teilen des MR als politischer Affront wahrgenommen wird. Nach meiner Auffassung zurecht, doch im Grunde halte ich die Caritas aus der Perspektive des MR für ziemlich unbedeutend, denn “Der Maschinenraum lehnt eine Zusammenarbeit mit der Caritas kategorisch ab. Gründe sind der katholische Hintergrund und damit gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, "white charity" und das Geschäft mit dem Leiden anderer, sowie horrende Vorstandsgehälter.” Damit ist in meinen Augen alles Wichtige gesagt! Dass nun dennoch zwei durch mich als MR-Menschen reparierte Computer bei der Caritas stehen, hat mich sehr geärgert als ich davon erfuhr. Heute ist es mir fast egal, denn von den über 50 Rechnern, die bei „Maschinenraum hackt Bildungsungerechtigkeit“ neue Besitzer fanden, sind lediglich zwei nicht nach unserer Intention – direkt an bedürftige Schüler:innen zu gehen, um deren digitale Teilhabe zu fördern – verwendet worden. Dass die nun ausgerechnet bei der Caritas gelandet sind, statt diese zu umgehen, ist bitter, aber mit ein bisschen Abstand betrachtet, führt mir der Kontakt zu der Koordinatorin doch vor allem vor Augen, mit wie vielen angenehmen Menschen wir durch das Projekt in Kontakt gekommen sind. Getrieben vom Wunsch, übler kapitalistischer Ungerechtigkeit mit ein bisschen Nerdwissen entgegenzutreten, haben wir lediglich einer Person zu unrecht einen Vertrauensvorschuss zukommen lassen. Bei all den Spender:innen, und Empfänger:innen, Schüler:innen, Lehrer:innen und Sozialpädagog:innen, Streetworker:innen, Eltern und anderen Vermittelnden ist das kein schlechter Schnitt. Ich finde, die Verfehlungen, hinter den kaum 4% Computern des Projekts, die nicht gemäß unserer Vorstellung Verwendung fanden, genügt es, mit Verachtung zu begegnen, denn die anderen 96% zeigen zu deutlich, wie wertvoll Maschinenraum-Zeit ist.

  • ds sagt:

    Gerade laß ich nochmal in unserem Chat, und um nichts falsches stehen zu lassen: die oben diskutierten Rechner wurden nicht wie beschrieben im Geflüchteten-Café, sondern in den Gemeinschaftsunterkünften der Caritas aufgestellt, und werden (vielleicht ist das auch schon passiert) ab Sommer in Obhut der Stadt Weimar übergehen. Das ist insofern relevant, als dass die Rechner dabei schlussendlich dann doch noch im Besitz Geflüchteter landen sollen. Einen sehr großen Unterschied bei der Bewertung des Geschehenen macht das für die Geschädigten indes glaube ich nicht.

    Dennoch reuen mich die harten Worte von gestern und ich möchte nicht unbemerkt lassen, dass ich bei all dem hin und her, in der persönlichen Begegnung mit der Koordinatorin nie Zweifel hatte, dass hinter ihrem Handeln gute Intensionen stehen, dass es ihr Anliegen ist, Not zu lindern.
    Beim Lesen unseres Chats fällt mir weiter auf, dass sie vielleicht trotz mehrfacher Warnung wirklich nicht verstand, wie wichtig es dem Maschinenraum ist, nicht in Verbindung mit Organisationen wie der Caritas gebracht werden zu können und, dass ihr Abweichen von der Vereinbarung, als Privatperson zu handeln und die Rechner geflüchteten Familien direkt zukommen zu lassen, mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest eine distanzierende Reaktion wie diesen Thread nach sich ziehen würde.

    Vermutlich war es von uns beiden keine gute Idee, sich auf die Zusammenarbeit mit wem von einer so grundsätzlich anders ausgerichteten Organisation einzulassen. Ich verließ mich auf das beschlusslose Gestatten durch das Plenum, leider ohne mir zu vergegenwärtigen, dass Menschen verletzt werden können. Auf die warnenden Worte nicht gehört zu haben, war falsch.

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