Die Zukunft

Juni 6th, 2008 § 0 comments § permalink

ist der Teil der Zeit, der noch kommt. Soll heißen, der Teil der noch nicht war, nicht ist aber sein wird. Oder so ähnlich. Oder wie Augutinus von Hippo so schön formulierte:

Wie kann man sagen, dass [die vergangenen und zukünftigen Zeiten] sind, da doch die vergangene schon nicht mehr und die zukünftige noch nicht ist? Die gegenwärtige aber, wenn sie immer gegenwärtig wäre und nicht in Vergangenheit überginge, wäre nicht mehr Zeit, sondern Ewigkeit. [1]

Sie – also die Zukunft – ist der Teil der Zeit über den wir am wenigsten wissen. Deshalb ist's der Teil der Zeit, über den wir uns die meisten Gedanken machen.

Ganz besonders in Bezug auf Computer und so Sachen machen sich da derzeit viele Menschen Gedanken – ich mach's auch manchmal. Da ich aber ein fauler Mensch bin und meine LeserInnen nicht mit langen theoretischen Abhandlungen langweilen will, verweise ich einfach auf die web 2.0 euphirsche Vision von Martin Weigert und die realistischere Antwort von Felix Schwenzel.

Die junge Freiheit

Juni 5th, 2008 § 0 comments § permalink

ist eine definitiv unlesenswerte Wochenschrift, die nicht als rechtsradikal bezeichnet werden darf. Dennoch schafft sie's immer mal wieder Themen auch im medialen Mainstream zu setzen. Hier ein wenig länger, die Geschichte eines medialen Skandals (Hier ist der Soundtrack zu diesem Artikel):

Die Tatsachen:

Die Grüne-Jugend hatte vom 23. bis 25. Mai in Bonn ihren Bundeskongress. Aufgrund der aufziehenden nationalen Trunkenheit, haben sie dort zu ihrem Bier einen schwarz-rot-goldenen Lappen geschenkt bekommen. Da es augenscheinlich nicht das erste Bier war, zu dem sie diesen Lappen geschenkt bekommen haben, haben sich drei von ihnen so um den, auf dem Boden liegenden, Lappen gestellt, dass beiM der/dem BetrachterIn der Eindruck entstehen könnte, sie würden darauf pinkeln. In einem Beweis ihrer vorbildlichen politischen Feinfühligkeit haben sie diese Bilder auf ihrer Bundesverbands Website veröffentlicht. So weit, so Grüne Jugend. Die sind halt so.

03 Juni 2008

Im Rahmen eines Ausflugs durch das Internet – dass er wohl Weltnetz nennt, er ist ja nicht rechtsradikal – ist ein gewisser Felix Krautkrämer über oben beschriebene Bildergalerie gestolpert. Da er ja nicht nur nicht rechtsradikal, sondern auch Journalist ist – er würde dies wohl Schreiber nennen – für die im Titel genannte Wochenschrift oder deren Website – es reicht, er ist ja kein Rechtsradikaler – hat er da einen Artikel geschrieben (von diesem Link distanziere ich mich ausdrücklich).

Da die Grüne Jugend mit ihrer Feindbeobachtung ein klein wenig schneller ist als die JF, haben sie die betreffende Bildergalerie – auf Wunsch der abgebildeten jungen Männer – aus dem Internet entfernt.

04. Juni 2008

Ein gewisser Marcus Schmidt – ebenfalls Journalist bei/für die JF – kommt morgens in sein Büro stellt fest, dass die Grüne Jugend die von ihm am Vortag besprochenen Bilder aus dem Internet entfernt hat. Das findet er so skandalös, dass er sich gesondert darüber äußern musste (auch von diesem Link distanziere ich mich ausdrücklich).

Dass die JF nicht rechtsradikal ist, verwundert es auch nicht, dass sie mit ihren Beiträgen heftige Diskussionen in auf keinen Fall politisch vorbelasteten Foren ausgelöst hat (Von diesen Links distanziere ich mich so weit es technisch nur möglich ist).

Die vertrauenswürdigste Zeitung seit Erfindung des bedruckten Papiers hat sich davon dann zu diesem Tiefstand des objektiven Politikjournalismus hinreißen lassen. Leider gibt sie wie immer keine Quellen an, weshalb wir nicht wissen ob in der Redaktion der Blöd nicht-rechtsradikale Zeitungen oder rechtsradikale Foren gelesen werden.

In einem weiteren Schritt des Nachweises der politisch neutralen Konservativität der JF stellt der Idiotenkreisverband Zittau eine Strafanzeige gegen die Grüne Jugend.

Irgendwann im Verlauf der Nacht, hat der gelangweilte Nachtwächter einer sonst vertrauenswürdigen Nachrichtenagentur, den Bildartikel einfach mal über den Ticker laufen lassen – leider war ihm nicht langweilig genug, sich eigene Gedanken zu machen, weshalb's von hier an bergab ging.

Heute

Die Welt übernimmt's vom bunten Schwesterblatt.

Der Focus schreibt's ab.

MSN übernimmt's.

Kommentar

Ich bin dann mal gespannt wie lange die sogenannte etablierte Presse noch ohne Eigenrecherche voneinander abschreiben wird ...

Sonst kann ich mich nur einem Bundesvorstandsmitglied der Jungen Union anschließen, das hier nicht genannt werden kann:

Ich werde für Euch beten.

... so es einen Gott gäbe an den ich glauben könnte.

Nachtrag (14:06h): Der Focus hat dann die Telefonnummer des Bundesvorstands der Grünen Jugend gefunden.

Nachtrag (14:15h): Der Sturm bricht los. SPIEGEL online soll sich auch schon interessieren. Ich überlasse den weiteren Pressespiegel den Kommentaren.

Standard Operating Procedure

Juni 5th, 2008 § 0 comments § permalink

ist die englischsprachige Bezeichnung für eine standardisierte Verfahrens- oder Verhaltensweise. Solche Standardisierungen finden meist in Regelwerken oder Handbüchern irgendeiner Art statt. So auch im Field Manual der US-Armee. In diesem wird geregelt, wie sich SoldatInnen der US-Armee zu verhalten haben. Um genauer zu sein, wird im Band 34-52 geregelt, wie sich US-SoldatInnen Im Rahmen Aufklärungsoperationen und in Befragungssituationen zu verhalten haben. Was da d'rin steht, widerspricht großflächig den Verhaltensregeln, denen sich die USofA in anderen Zusammenhängen verpflichtet haben.

Das ist dann wohl auch der Grund, warum Errol Morris seinen neuesten Film "Standard Operating Procedure" genannt hat. Der Film beschäftigt sich mit der US-amerikanischen Seite der Vorfälle, die vor einigen Jahren Abu Ghraib zu einem Haushaltsnamen gemacht haben. Gesehen hab' ich ihn leider noch nicht (also, wenn jemand einen .torrent hat ... ;-) ), aber er hat es aufgrund dieser Review von Rüdiger Suchsland auf die Warteliste der alternativen Mediathek gemacht.

Nachtrag: Beim Aufräumen meiner 106 offenen Tabs, die hier gerade Systemressourcen schlucken, wie ein kleineres schwarzes Loch, bin ich auf diese Besprechung des Films im New Yorker gestoßen, die ich noch nicht gelesen habe und wohl auch nicht mehr lesen werde.

Biometrische Daten

Juni 4th, 2008 § 0 comments § permalink

in Personaldokumenten tun nichts um die Sicherheit der Gesellschaft zu erhöhen, sind aber ein wirklich gutes Mittel, die Gesellschaft zu disziplinieren. Anscheinend sind da die Begehrlichkeiten des Ministeriums für Staatssicherheit wieder einmal größer geworden. Jetzt ist der Personalausweis d'ran. Link.

[Nein, ich habe nicht die letzten Tage damit verbracht, Foucault zu lesen und deshalb keine Ahnung, warum ich in den vergangenen Beiträgen andauernd "Disziplinierung" sage. Kann was mit meiner derzeitigen geistigen Verfassung zu tun haben, deren Diskussion aber im öffentlichen Teil des Internets wirklich nichts verloren hat.]

Öffentliches Trinken

Juni 4th, 2008 § 0 comments § permalink

alkoholischer Getränke ist eine Kulturpraxis, die intolerante Regime immer wieder verbieten wollen – bisher aber ohne wirklichen Erfolg. Besonders in westlichen Kulturen deren Leitdroge der Alkohol ist, klappt sowas nie wirklich. Als Beispiel seien hier nur braune Ein-Flaschen-Papiertüten genannt.

Meistens haben die Argumente gegen das Trinken alkoholischer Getränke in der Öffentlichkeit was mit "Sicherheit", "Ruhe" und "Ordnung" zu tun. Sobald mensch an deren Oberfläche kratzt stellt es schnell fest, dass diese Maßnahmen entweder der Verdrängung von wohnsitzlosen AlkoholikerInnen aus der Öffentlichkeit dienen oder zumindest einen Zustand der Disziplinierung – a.k.a. öffentliche Ordnung – herstellen wollen, der mit der gesellschaftlichen Realität ihrer TeilnehmerInnen nicht viel zu tun hat.

Ein sehr gutes Beispiel hierfür scheint mir die londoner U-Bahn zu sein, wo der Verbotsversuch zu offenem Chaos geführt hat, das wohl viel eher der gesellschaftlichen Realität Londons entspricht als die Vorstellungen des neuen, reaktionären Bürgermeisters.

Anregender Artikel.

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