der maschinenraum und die datenschutz-tagung, teil3 – tod und verderben

Januar 19th, 2018 § 2 comments

Und dann...dann ging's weiter. Ich weiß nicht mehr wie der Vortrag hieß. Ich habe mir die Essenz gemerkt.

Votragender: Ein US-Amerikanischer "Sicherheitsexperte". Qualifikation: er war mal beim Fernsehen.

Erst mal wird sein neues Buch gepusht. Darüber, wie uns KI alle töten wird. Es sind Rezensionen zu seinem Buch zu sehen - zwei Stück. Eine erschienen im Playboy. Eine in "der Kriminalist" - das Vereinsblatt der Polizeigewerkschaft. Ich fange an die Zielgruppe zu erahnen. Aber ich konnte nicht ahnen wie schlimm er wirklich werden würde. Das war...ähm...ein traumatisches Erlebnis. Irgendwie habe ich diesen Vortrag ohne Schlaganfall überstanden, aber nochmal geht das echt nicht gut.

Also: Dramatische Hollywood-Musik. Billige Folien (blaue Cyber-Menschen, Bilder von Leichen nach Terroranschlgen, Drohnen, Blinkenlights, ihr wisst schon). Und ab gehts.

- deutscher Datenschutz ist so doof, der verpixelt sogar Bilder von Kriminellen! Das war im wilden Westen besser!
- deutscher Datenschutz ist so doof, der verhindert die Auswertung von Vorratsdaten! Aber we must stop ze Salafisten! Works in America!
- ze U.S. of A haben übelst geile software, die beschlagnahmen erst einfach alles was video macht, und dann können die die Datumsstempel abgleichen und ein panorama haben und alles sehen!1!
- die Polizei in Kalifornien hat Geräte, die ein Smartphone in 42 Sekunden komplett auslesen können, und dann kommst du wegen der gps-Daten in den Knast weil du mal am falschen Ort warst. UND DAS IST GUT SO. Aber hat der doofe Datenschutz kassiert.
- die Polizei in Kalifornien hat auch Taschen, die als faradayscher Käfig wirken und beschlagnahmte Handys abschirmen - sonst könnten die Kriminellen die ja aus der Ferne löschen! Die haben da PROGRAMME UND ALGORITHMEN für!
- die NSA hat Satelliten, die konnten schon vor 20 Jahren die Bild-Zeitung lesen, die du in der Hand hältst!
- die NSA hat Gesichts-, Iris-, Stimmen-erkennung, die dich nach ein paar Sekunden eindeutig zuordnen kann
- und dann wirst du automatisch von einer KI-Drohne erschossen, die unsichtbar ist
- diese tollen NSA-Satelliten können auch Autos eindeutig identifizieren und dich verfolgen! (ich mag das ja echt gerne mit einem silbernen vw Golf in Berlin austesten)
- dann hat er noch ein bisschen sexistische Kackscheiße von sich gegeben und kurz drauf gefordert wir müssen die bösen Islamisten überwachen, denn die haben ein schlechtes Bild von "unseren" Frauen (das war der Hauptgrund!).

Echt netter Kerl. Fachlich kompetent. 5/5 Sterne.

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§ 2 Responses to der maschinenraum und die datenschutz-tagung, teil3 – tod und verderben"

  • Jay Tuck sagt:

    Jenseits der Beleidigungen in diesem anonymen Blog möchte ich hier nur auf das faktisch Falsche beschränken. Meine Qualifikation ist kaum, dass ich „beim Fernsehen war“. Für das Erste Programm der ARD habe ich zwar über 400 investigative Beiträge produziert, u. a. für Monitor und Panorama, als Kriegskorrespondent für die Tagesschau berichtet und die ARD-Tagesthemen 12 Jahre lang redaktionell geleitet. Ich bin außerdem Autor zweier Sachbücher zum Thema (in 14 Ländern veröffentlicht) und schreibe u. a. für Spiegel, Stern, Focus, Le Point, Die Welt und ZEITmagazin.

    Dass ich auf einem Slide eine Buch-Rezension aus “Der Kriminalist“ zitiere, ist nicht verwunderlich. Das Publikum bestand in der Hauptsache aus Polizisten. Es gibt allerdings auch zahlreiche linke Blätter, wie Junge Welt oder TAZ, die in großem Stil über mein Buch berichten. Die Gefahren, die von Künstlicher Intelligenz ausgehen, sind für alle politischen Richtungen relevant.

    Den Fall des David Riley haben Sie gänzlich falsch verstanden. Bei ihm hat ein Streifenpolizist Belastungsmaterial im Smartphone entdeckt und ihn verhaftet. Das US-Supreme-Court hat dazu höchstrichterlich entschieden, dass eine solche Aktion ohne gültigen Durchsuchungsbefehl illegal sei. Das ist ein großer Sieg für den Datenschutz in USA!

    In Veröffentlichungen und Vorträgen warne ich energisch vor der privaten und staatlichen Überwachung durch moderne Technologie, vor allem vor Künstlichen Intelligenz. Es ist falsch und diffamierend, meine Position auf diese Weise darzustellen.
    Jay Tuck, Journalist

  • aurora sagt:

    Lieber Herr Tuck,
    vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
    Schön, dass Sie diesen Beitrag gefunden haben und sich die Zeit nehmen darauf zu antworten.

    Ich bin etwas irritiert, dass Sie in dem Beitrag Beleidungen und Diffamierungen erkannt haben - natürlich ist der Beitrag recht subjektiv geschrieben, wir befinden uns ja auch auf einem "anonymen Blog", dennoch habe ich mich bemüht nur Tatsachen aufzuzählen.

    Zu den Punkten, die Sie ansprechen kann ich folgendes Anmerken:
    - Ihren Status als Journalist habe ich nicht in Frage gestellt. Leider habe ich aber bei all Ihren Referenzen nichts konkretes gefunden, was Sie zu einem "Sicherheitsexperten" machen würde. Als solcher wurden Sie aber bei der Veranstaltung angekündigt, und als solcher bewerben Sie sich auch selber. Ich fand das etwas enttäuschend.
    - Ich habe leider in den angesprochenen Medien keine Beiträge zu Ihren neuen Buch finden können. Auch sonst konnte ich nur Werbung finden, keine wirklichen Rezensionen oder Besprechungen.
    - Den Fall des David Riley habe ich komplett richtig verstanden. Ich habe auch verstanden, dass Sie seinen Freispruch nicht begrüßen. Darauf bezieht sich meine Kritik. Sie waren als "Sicherheitsexperte" geladen und haben die meiste Zeit schlecht über Datenschutz geredet, denn der würde Kriminellen einen Vorteil verschaffen (z.B. Ihre Folie mit den Fahndungsfotos).
    - Leider habe ich in Ihren Vortrag jegliche konstruktive Kritik vermisst. "Alles ist/wird schlimm" - ja gut, das habe ich sowieso vermutet. Und was machen wir jetzt? Das waren keine "Warnungen", das waren Feststellungen. Generell fand ich den Vortrag sehr plakativ und reißerisch - und wenig informativ, und am Thema vorbei.

    Vielleicht helfen diese Ausführungen Ihnen ja meine Position besser nachvollziehen zu können.

    Schade, dass Sie auf meine restliche Kritik nicht eingegangen sind.

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