Briefe von der Hausverwaltung

June 19th, 2008 § 0 comments

behandeln meist so Sachen wie überfällige Mieten, notwendige Reparaturen oder halt Beschwerden über die fortgesetzte Missachtung der Hausordnung. Selten aber sind sie so schön geschrieben, wie das Schreiben, das heute in unserem Briefkasten lag. Weshalb's hier auch eine Antwort gibt:

Von der für mich zuständigen Hausverwaltung an mich:

Betreff: Brief an alle Mieter zur Hausordnung

Brief von einem Mieter zu ihrem Schreiben vom 16. 06. d.J.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrter Herr H*,

aus gegebenen Anlass bemängeln wir hier die allgemeine Ordnung im Objekt.

aus gegebenen Anlass antworte ich hiermit auf ihr betreffs genanntes Schreiben, im Besonderen, die "allgemeine Ordnung im Objekt".

Vor den Kellerboxen stapelt sich der Sperrmüll, im Tischtennisraum ist der Fußboden komplett verschmutzt und es stehen leere Flaschen sowie Sperrmüll herum, im Kellergang steht eine mit leeren (und bereits völlig verstaubten) Flaschen übervolle Bierkiste, die Treppenanlage sieht verschmutzt aus.

Bei den von ihnen als Sperrmüll bezeichneten Gegenständen vor den Kellerboxen handelt es sich um Möbel (-teile), die diverse MitbewohnerInnen unseres Hauses im Keller zwischenlagern. Leider sind die im vergangenen Jahr von ihnen eingerichteten Kellerboxen bei Weitem nicht ausreichend für den Bedarf der MitbewohnerInnen. Sie sollten hierbei bedenken, dass die von ihnen eingerichteten Kellerboxen wohl dem durchschnittlichen Bedarf von Kleinfamilien gerecht würden, leider nicht dem Bedarf von Studierenden-Wohngemeinschaften mit jeweils vier bis fünf MitbewohnerInnen. So wird allein ein gutes Drittel der meiner WG zur Verfügung gestellten Kellerbox, von Kisten mit von mir derzeit nicht genutzter Kücheneinrichtung in Anspruch genommen.

Über den derzeitigen Zustand des Tischtennisraums kann ich mich nicht äußern, da weder ich noch meine MitbewohnerInnen diesen nutzen. Die letzten Nutzung des Tischtennisraums an den ich mich erinnern kann, liegt über ein Jahr zurück. Was die Flaschen angeht, so werden wir diese bei nächster Gelegenheit zurückbringen.

Eine eingehende Betrachtung der Treppenanlage hat auch bei uns einen nicht widerlegbaren Eindruck der Verschmutzung hervorgerufen, weshalb wir sofort Abhilfe geschaffen haben.

Der hintere Gartenbereich steht voller leerer Flaschen und verschmutzter Sitzgegenstände sowie Tischen, der Vorgarten ist verwildert und der Gehweg wird nicht gereinigt.

Eine soeben von mir durchgeführte Besichtigung des hinteren Gartens hat ergeben, dass dieser nicht mit leeren Flaschen und verschmutzten Sitzgegenständen vollsteht. Vielmehr befinden sich dort einige Sitzmöbel, ein Tisch und ein als Tisch genutztes Regal und einige als Kerzenständer genutzte Weinflaschen. Was die Verschmutzung der Sitzgegenstände angeht, so hängt diese eher mit dem Alter der von uns immer noch regelmäßig genutzten Sitzgegenstände als mit einer allgemeinen Unreinlichkeit zusammen.

Die Pflege des Vorgartens, zumindest in den vergangenen Jahren, Herr Z* (Vater der Hauseigentümerin), in Zusammenarbeit mit den MieterInnen, übernommen. Zu diesem Zweck befanden sich im Kellerbereich, für die MieterInnen zugänglich, die notwendigen Gartengeräte. Leider ist es mir derzeit nicht möglich diese Geräte zu lokalisieren. Das einzige noch auffindbare Gartengerät ist ein Handrasenmäher im Fahrradschuppen, der eher Zierzwecken dient, da er zur Kürzung von Gras nicht mehr geeignet ist.

Eine Vergleichende Betrachtung des Gehwegs vor unserem Haus und der Gehwege vor anderen Grundstücken in der Straße hat ergeben, dass der Gehweg vor unserem Haus nicht als außerordentlich ungereinigt anzusehen ist.

Trotz der Existenz eines Fahrradschuppens vegetieren offensichtlich lange nicht genutzte (und z.T. nicht mehr nutzbare) Fahrräder im Hauszugangsbereich.

Eine Betrachtung des Fahrradschuppens müsste auch ihnen verdeutlichen, dass die von ihnen so bezeichnete Garage nicht zur Lagerung von bis zu 17 – derzeitige Anzahl der BewohnerInnen des Hauses - Fahrrädern geeignet ist, was es notwendig macht, Fahrräder auch außerhalb dieses Schuppens abzustellen; hierzu bietet sich der Hauszugangsbereich an. Die Anbringung von Fahrradständern im Fahrradschuppen könnte hier Abhilfe schaffen.

Einige der von ihnen als wohl "nicht mehr nutzbaren" Fahrräder werden noch regelmäßig genutzt, bei anderen ist es leider unklar, wer für diese zuständig ist.

Der im Flur veröffentlichte Plan zur Hausordnung besitzt offensichtlich maximal Informationscharakter - eher jedoch die Aufgabe einer farblichen Ausschmückung.

Da dieser Plan auch in unserer Küche aushängt, wird die im Flur ausgehängte Kopie von uns sehr wohl als farbliche Ausschmückung dessen betrachtet.

Weitere Ausführungen über das "produzierte" Lebensumfeld im Objekt halten wir hier für entbehrlich.

Weitere Ausführungen ihrerseits über unser "produziertes Lebensumfeld" würden uns sehr interessieren, da zumindest meine WG sich in dem von uns "produzierten Lebensumfeld" sehr wohl fühlt und keinen dringenden Änderungsbedarf sieht. Sollten wir einen solchen feststellen, werden wir uns an sie wenden.

Insofern Sie nicht bis zum 30. 06. 2008 im Objekt eine den Regelungen des Mietvertrags entsprechende Grundordnung herstellen (und aufrecht erhalten) werden wir im Objekt einen Hausmeisterdienst einsetzen.

Eine kurze Betrachtung meinerseits hat keinen dringenden Bedarf für die Einsetzung eines Hausmeisterdienstes festgestellt, vielleicht könnte eine gemeinsame Begehung des Objekts hier die für mich offensichtlich unterschiedlichen Wahrnehmungen des "Lebensumfelds" abgleichen und eventuelle Missverständnisse klären.

Die anfallenden Kosten werden sodann innerhalb der Betriebskosten umgelegt.

Eine weitere Erhöhung der Betriebskosten, so kurz nach der vor Kurzem bereits stattgefundenen, würde meines Erachtens nach der Attraktivität des Objekts deutlich schaden.

Mit freundlichen Grüßen

H*

Mit freundlichen Grüßen

ΦLo

PS: Seit mehreren Wochen sind, einmal mehr, fast alle Glühbirnen der Treppenhausbeleuchtung ausgefallen.

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